Wasserburg am Inn – Rom

Hilfe für den kleinen Artur

Am 17. Juni 2010 um 7:30 Uhr machten sich 8 Radfahrer am Marienplatz in Wasserburg am Inn auf den Weg nach Rom. Auf den ersten Blick nichts Ungewöhnliches – auf den zweiten vielleicht doch. Weiß man nämlich, dass sie nur gut 2 Tage später am Nachmittag am Vatikan ankommen wollen, merkt man, dass es sich hierbei um keine normale Radtour handelt.

1050 km und 7000 Höhenmeter in weniger als 60 Stunden mit dem Rennrad – das sind typische Aktionen des Schellen-Sau-Teams. So brachen die Männer und zum ersten mal auch eine Frau zusammen mit 6 Begleitern auf zur Reise in die Ewige Stadt.

Bei stabilem und trockenen Wetter (nach den ausgiebigen Regenfällen der vergangenen Tage und Wochen keine Selbstverständlichkeit) ging es zunächst über Vogtareuth vorbei an Rosenheim und Kufstein hinein ins Inntal bis zum ersten Stopp in Wörgl. Dort wartete schon das Begleitteam mit Rührei zum Frühstück.

Frisch gestärkt radelten sie weiter Richtung Innsbruck. Von da an gings die Brenner Bundesstrasse bergauf bis zum Brenner-Pass. Dort erwartet uns zunächst ebenfalls schönes Wetter. Im Süden zeigten sich aber schon die ersten schwarzen Wolken. Das Essen (Schaschlik) konnte noch im Trockenen zubereitet werden, aber als die ersten Radlfahrer eintrafen, änderte sich das Wetter schlagartig innerhalb weniger Minuten. Es zog ein Gewitter mit Platzregen, extrem starken Windböen, Donner und Blitz auf. Wir hatten alle Hände voll zu tun, unsere Ausrüstung zu sichern, damit sie nicht weggeweht wurde. Die Radler kämpften an den letzten Anstiegen gegen Wind und Regen. Am Rastplatz angekommen war es erst mal wichtig im Auto trockene Kleidung anzulegen, um eine Unterkühlung zu vermeiden. Nach einer knappen Stunde legte sich der starke Regen und man konnte wieder raus, etwas essen und sich für die Weiterfahrt vorbereiten.

So ging es bei Nieselregen weiter auf die Abfahrt nach Sterzing. Hier war Vorsicht geboten, da die Strasse ja noch nass und rutschig war. Kurz hinter Sterzing konnte man sich dann der schweren Regenkleidung schon wieder entledigen. Die Wolken verschwanden immer mehr und die Strasse trocknete ebenfalls wieder ab, so dass ab Brixen wieder echter Sommer angesagt war. Hinter Klausen bogen die Radler von der Landstrasse auf den gut ausgebauten Radweg entlang der Eisack ab. In Bozen wechselte man auf den bekannten Etsch-Radweg. Hier kurbelte man in flotter Fahrt bis kurz vor Auer weiter, wo die Begleiter mit der nächsten Rast warteten.

Jetzt wurden die Vorbereitungen für die erste Nacht getroffen. Lampen wurden montiert und reflektierende Kleidung angelegt. So ging es dem Radweg entlang flott weiter bis zur nächsten Rast in Rovereto. Die Fahrt wurde nur einmal von einem kaputten Mantel gestoppt, den man aber flott austauschen konnte, weil Gerhard Lindauer seine „mobile Werkstatt“ am Rücken mitführte.

Nach der Rast in Rovereto kam die erste Nachtetappe. Zunächst fuhren sie weiter am Etsch-Radweg, vorbei an Verona und hinein in die Po-Ebenen. Dort wurde das „Nachtlager“ aufgebaut. Auf einem kleinen Parkplatz am Strassenrand gab es um 1 Uhr früh eine kleine Brotzeit und dann rund 3 Stunden Schlaf.

Mit der noch jungen Morgensonne begann dann eine der härtesten Etappen. Es ging zwar flach „nur“ durch die Po-Ebene, aber genau hier wird der Kopf am stärksten gefordert. Die Strecke bietet wenig Abwechslung, so dass man nur stupide kurbeln kann und versuchen muss, die Distanz einfach hinter sich zu bringen. Einziger „Höhepunkt“ war die Überquerung des Po bei Ostiglia. Das Wetter war wieder perfekt (fast ein bisschen zu warm für manchen Fahrer). Kurz vor Bologna gab es dann die nächste Rast. Koch Luggi Wimmer hatte sich wieder ins Zeug gelegt und ganz frisch einen leckeren Kaiserschmarrn zubereitet.

So gestärkt ging es dann auf in den Appenin. Die ersten Kilometer waren noch flach und führten an Bologna vorbei. Wer die Autobahn A1 zwischen Bologna und Florenz kennt, weiß, was die Radler nun erwartete: Ein ständiges auf und ab mit teilweise kurzen heftigen Anstiegen (bis zu 14% Steigung). Mitten in den Bergen hatte das Begleitteam einen schattigen Rastplatz bezogen und erwartete die Radlfahrer mit Fisch in Senfsosse und Salzkartoffeln zum Mittagessen.

Diese Stärkung war auch nötig, folgte doch nach der Pause ein Anstieg mit 15 Kilometern Länge. Danach ging es natürlich auch wieder bergab über teilweise kurvigen und schmalen Wegen. Landschaftlich ist diese Strecke sicher sehr attraktiv. Es ist aber fraglich, ob einer der Radler die Zeit hatte, dies zu geniessen. Nach dieser „Berg und Tal Fahrt“ radelte das Team vorbei an Barberino di Mugello und dem schönen Stausee Lago die Bilancino entlang der Sieve zur neunten Raststelle.

Von hier ab führte die Strecke weiter am Flüsschen „Amo“ bis zur Autobahn A1 südlich von Florenz und weiter in einem ständigen Auf und Ab entlang der Autobahn hinauf zum Pass bei San Pancracio und der elften Rast.

Nach kurzer Stärkung ging es hinein in die zweite Nacht. Zunächst folgte eine schöne Abfahrt auf der einsamen Strasse. Dann wurde es wieder wellig und in der Nähe der Autobahn A1 fuhr man weiter bis Scalo. Dort hatten die Helfer das zweite Nachlager aufgeschlagen. Auf einem großen Parkplatz am Ortseingang konnte man sich bei sternenklarem Himmel gemütlich in seinen Schlafsack kuscheln und für drei Stunden lang neue Kräfte sammeln.

Am frühen Morgen war Wecken und nach einm kleinen Frühstück wurde wieder in die Pedale getreten. Waren es doch „nur“ noch 2 Etappen bis nach Rom. Doch diese zwei Etappen hatten es nochmal in sich. Das Gelände war wie immer wellig. Man folgte weiterhin (mal links, mal rechts) dem Verlauf der A1 und traf schließlich auf den Fluss Tiber, um ihn bei Attigliano wieder zu verlassen.

Aus dem Tibertal ging es wieder länger aufwärts nach Viterbo, wo die letzte Rast gemacht wurde. Es gab nochmal eine kräftige Brotzeit, bevor die letzte Etappe mit 120 km Länge in Angriff genommen wurde. Die Getränkereservern wurden nochmal gut aufgefüllt, da die Temperaturen schon am Vormittag hochsommerlich warm waren(bis 28 °C). Die Topographie der letzten Etappe hielt – trotz anderer Vorhersagen – nocheinmal einige Höhenmeter für die Pedaleure bereit.

Das Begleitteam machte sich vom letzten Rastplatz aus auf den direkten Weg zum Campingplatz. Als man dort angekommen war ereilte die Helfer ein telefonischer Hilferuf „Wir haben ein Problem: Bei Hubi ist die Kette gerissen und wir können sie nicht reparieren.“ Also machten sich zwei Mann wieder auf, um den gestrandeten Radler abzuholen. Er befand sich ca. 70 km vor dem Ziel!

Die restlichen 7 Fahrer fuhren weiter, damit sie nicht zuviel Zeit verloren. Als sie beschlossen einen „Einkehrschwung“ zu machen wurden sie zufällig vom „Rettungsteam“, das auf dem Weg zu Hubi war „erwischt“. Gleichzeitig meldete sich Hubert, dass er wieder mobil sei und die Fahrt wieder aufgenommen habe. „Ein freundlicher italienischer Radfahrer hat mich am Strassenrand sitzen gesehen und hat angehalten und mir die Kette wieder zusammen genietet.“.

So beschloss man, Hubi mit dem Auto zu holen und zur Truppe zurück zu bringen, die im Cafe wartete. Gesagt, getan. Nach einer halben Stunde war Hubi wieder bei der Gruppe, so dass er die restlichen Kilometer bis zum Vatikan noch zurücklegen konnte.

Nach der Kaffeepause ging es dann immer weiter hinein nach Rom. Trotz der sorgfältigen Planung waren zunächst ein paar Schwierigkeiten bei der Streckenwahl zu meistern. Besonders der Autobahnring, der rund um Rom führt, ist für Radfahrer nicht einfach zu überwinden. Aber auch das wurde gemeistert und so konnten die 8 glücklichen Radfahrer gegen 14:30 Uhr ihre Räder vor dem Petersdom am Vatikan parken und das obligatorisch „Zielfoto“ schiessen.

Die Tour war aber noch nicht ganz vorüber. Musste man doch noch zum Campingplatz, der ca. 15 km vom Vatikan entfernt liegt finden. Trotz einiger Hindernisse wurde auch diese Aufgabe gemeistert!

Gemeinsam mit den Helfern ging es dann schliesslich in die Pizzeria am Campingplatz, um die erfolgreiche und vor allem unfallfreie Fahrt über 1050 km und 7300 hm in 37 Stunden zu feiern!